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Automatisierung8 Min Lesezeit

KI-Automatisierung im KMU: Den ersten Prozess auswählen

Drei Schritte für den ersten Automatisierungspiloten: Aufgabe abgrenzen, dieselben Fälle vergleichen und den gesamten Aufwand zählen.

Für den ersten Automatisierungspiloten eignet sich ein wiederkehrender, klar abgegrenzter Arbeitsschritt mit verfügbaren Daten und einem prüfbaren Ergebnis. Eine zuständige Person muss Fehler erkennen und den bisherigen Ablauf übernehmen können. Ob dafür feste Regeln, eine vorhandene Softwarefunktion oder KI passt, ergibt sich aus der Aufgabe.

Dieser Leitfaden richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen, die einen ersten Prozess vorbereiten möchten. Nutzen Sie die Auswahlmatrix als CSV zum Vergleich Ihrer Kandidaten und das Pilot-Prüfprotokoll als Textdatei für die anschließenden Tests. Beide Dateien sind kostenlos und direkt bearbeitbar.

1. Eine Aufgabe mit Anfang und Ende beschreiben

Formulieren Sie den Ablauf so genau, dass zwei Personen denselben Vorgang untersuchen können. „Den Vertrieb automatisieren“ umfasst zu viele Entscheidungen. Ein begrenzter Auftrag lautet beispielsweise: Eine eingehende Projektanfrage auslesen, fehlende Angaben markieren und einen internen Entwurf für die zuständige Person vorbereiten.

Halten Sie Auslöser, Eingabedaten, gewünschtes Ergebnis und Endpunkt fest. Im Beispiel endet die Automatisierung bei einem geprüften Entwurf. Das Versenden einer Antwort oder die Zusage eines Preises gehört nicht zum Piloten. Ein solcher Schnitt macht den Vergleich mit der heutigen Bearbeitung möglich.

Wenn grundlegende Abläufe und Zuständigkeiten noch fehlen, hilft zunächst die Einordnung zur Digitalisierung im Mittelstand. Sammeln Sie eine überschaubare Auswahl tatsächlicher Vorgänge und dokumentieren Sie auch die unbequemen Fälle: unvollständige Angaben, widersprüchliche Informationen oder Rückfragen.

2. Regeln und KI am selben Ergebnis vergleichen

Welcher Ansatz passt zum Arbeitsschritt?
AufgabeZuerst prüfenRolle einer möglichen KI
Pflichtfelder prüfen oder nach Postleitzahl zuweisenFormularfunktion oder feste RegelFür diese Regel allein ist ein Sprachmodell nicht erforderlich
Daten unverändert zwischen Systemen übertragenVorhandene Schnittstelle und eindeutige FeldzuordnungNur für einen zusätzlich abgegrenzten Schritt prüfen
Freitext einer Anfrage zusammenfassenManuelle Vorlage als Vergleich; erwartete Angaben definierenEntwurf erstellen, den eine zuständige Person am Original prüft
Widersprüchliche Angaben oder verbindliche Zusagen bewertenFachliche Entscheidung und RückfragewegUnklarheit kennzeichnen und zur Prüfung weitergeben

Vergleichen Sie beim Freitext drei Varianten mit denselben Fällen: die heutige Bearbeitung, einen Ablauf mit festen Regeln und einen Ablauf mit KI-Unterstützung. Ein besseres Formular kann bereits einen Teil des Problems lösen. KI muss ihren zusätzlichen Aufwand und Nutzen im Vergleich dazu zeigen.

Die Publikation KI-Engineering-Workflow von Mittelstand-Digital verbindet die Beschreibung des Prozesses mit Geschäftsmetriken und Evaluierung. Die Auswahlmatrix hier ist eine eigene Arbeitshilfe von Ragdom. Sie ist kein zertifizierter Reifegradtest.

3. Kandidaten mit Belegen statt einer Gesamtnote auswählen

Tragen Sie für jeden Kandidaten ein, was bekannt ist und welcher Nachweis fehlt. Verwenden Sie die Zustände „belegt“, „offen“ und „Hindernis“. Eine hohe erwartete Zeitersparnis ersetzt keine Klärung des Datenzugriffs oder der Verantwortung. Offene Voraussetzungen werden vor einem Test mit echten Daten geklärt.

Auswahlmatrix für den ersten Piloten
PrüffeldBenötigter NachweisWenn der Nachweis fehlt
Häufigkeit und heutiger AufwandGezählte Vorgänge in einem benannten Zeitraum; Bearbeitungszeit mit RückfragenAusgangsmessung durchführen
Daten und NutzungBekannte Quellen, freigegebene Testdaten und geklärter ZugriffDatenverantwortliche und fachliche Prüfung einbeziehen
Ergebnis und AusnahmenBeispiel eines richtigen Ergebnisses; Liste typischer AbweichungenAufgabe enger fassen oder Regeln klären
Kontrolle und FehlerfolgenBenannte prüfende Person; festgelegte Grenze der automatischen AktionenFreigabeweg und Berechtigungen festlegen
Rückkehr und BetriebBisheriger Ablauf bleibt nutzbar; Verantwortung für Störungen und ÄnderungenRückfallweg und Betreuung vorsehen

Für das fiktive Anfragebeispiel kann eine regelbasierte Prüfung fehlender Felder zuerst getestet werden. Die Zusammenfassung des Freitexts ist ein eigener Kandidat. Ein automatischer Antwortversand braucht zusätzliche Prüfungen und gehört nicht stillschweigend zum selben Auftrag.

Die CSV-Auswahlmatrix enthält drei ausdrücklich fiktive Arbeitsbeispiele. Ersetzen Sie sie durch Ihre Abläufe und ergänzen Sie zu jeder offenen Frage eine zuständige Person. Die Datei enthält keine automatische Bewertung und keine versteckten Formeln.

4. Einen Pilot mit nachvollziehbaren Fällen vorbereiten

Definieren Sie vor dem Start, welche Fälle der Pilot abdeckt und welche Entscheidungen bei Menschen bleiben. Nutzen Sie freigegebene Daten in einer passenden Testumgebung. Legen Sie fest, welche Systeme lesen oder schreiben dürfen und wer die Ergebnisse fachlich prüft.

Geben Sie jedem Fall eine Kennung. Dokumentieren Sie Eingang, erwartetes Ergebnis, tatsächliches Ergebnis und Korrektur. Halten Sie auch fest, welche Modell-, Vorlagen- und Ablaufversion getestet wurde. Ein Vergleich verliert an Aussagekraft, wenn zwischendurch die Bedingungen wechseln.

Das NIST AI Risk Management Framework, Abschnitt Measure empfiehlt Tests vor der Einführung und im laufenden Betrieb sowie dokumentierte Messgrößen. Für Ihren Pilot bedeutet das: Kriterien vorher festlegen und die Grenzen der ausgewählten Fälle im Abschlussbericht nennen.

Sechs Testfälle für das fiktive Anfragebeispiel
FallErwartetes VerhaltenZu dokumentieren
Vollständige normale AnfrageInterner Entwurf enthält nur belegte Angaben; Mensch prüft am OriginalVollständigkeit, Korrekturen und gesamte Bearbeitungszeit
Fehlende oder widersprüchliche InformationOffene Frage sichtbar; fehlende Werte bleiben offenWelche Angabe fehlt und wer die Rückfrage übernimmt
Dieselbe Anfrage zweimalDuplikat erkennen oder zur Prüfung markieren; keinen zweiten Entwurf ungeprüft anlegenKennung und beobachtetes Verhalten bei Wiederholung
Zeitüberschreitung oder Ausfall eines DienstesFehler sichtbar; Übergabe an den bisherigen Ablauf ohne stillen VerlustFehlerzeitpunkt, Wiederanlauf und Prüfung auf doppelte Einträge
Anweisung innerhalb des fremden NachrichtentextsNachrichteninhalt bleibt Datenquelle; Berechtigungen begrenzen mögliche AktionenTesteingabe, tatsächliche Aktionen und Abweichungen
Ungewohnter Fall außerhalb des vereinbarten UmfangsZur zuständigen Person weitergeben; keine verbindliche Zusage erzeugenGrund der Übergabe und weiterer Bearbeitungsweg

Das BSI beschreibt indirekte Prompt Injections in fremden Quellen als Risiko generativer KI: Anweisungen können etwa in auszuwertenden E-Mails oder Dokumenten stehen. Ein einzelner bestandener Test beweist deshalb keine umfassende Sicherheit. Begrenzte Rechte, geprüfte Übergaben und eine zum Einsatz passende Risikoanalyse bleiben erforderlich.

Ergänzen Sie die sechs Falltypen um die Varianten Ihres Betriebs. Ein kleiner Testsatz zeigt konkrete Fehler, belegt aber noch keine allgemeine Zuverlässigkeit. Trennen Sie Fälle, mit denen Sie den Ablauf verbessern, von weiteren Fällen für die anschließende Prüfung.

5. Den gesamten Aufwand rechnen

Messen Sie aktive Arbeitszeit und Durchlaufzeit getrennt. Für den Arbeitsaufwand zählen auch Prüfung, Korrektur, Ausnahmebearbeitung und die spätere Betreuung. Die Antwortzeit eines Modells allein sagt wenig darüber aus, ob das Team Arbeit spart.

Rechenbeispiel mit ausschließlich fiktiven Annahmen
PositionAnnahmeRechnung
Heutiger monatlicher Arbeitsaufwand120 Vorgänge; je 8 Minuten120 × 8 = 960 Minuten
Arbeitsaufwand mit UnterstützungDieselben 120 Vorgänge; je 5 Minuten einschließlich Prüfung und Nacharbeit120 × 5 = 600 Minuten
Zusätzliche laufende Betreuung60 Minuten pro Monat600 + 60 = 660 Minuten
Rechnerisch frei werdende ArbeitszeitDifferenz aus Ausgangsaufwand und laufendem Gesamtaufwand960 − 660 = 300 Minuten, also 5 Stunden

Diese fünf Stunden sind eine Rechenannahme, kein gemessenes Kundenergebnis und keine Zusage von Ragdom. Einrichtung, Schulung, Software- und Nutzungskosten sind in der Zeitdifferenz nicht enthalten. Bewerten Sie diese Positionen gesondert. Frei werdende Arbeitszeit ist zudem nicht automatisch eine finanzielle Einsparung.

Wenn im Pilotprojekt vor allem einfache Fälle vorkommen, übertragen Sie deren Durchschnitt nicht ungeprüft auf den ganzen Monat. Nennen Sie Fallzahl und Anteil der Ausnahmen. Bei geringem Volumen oder stark schwankenden Zeiten kann eine längere Beobachtung für eine belastbare Entscheidung nötig sein.

6. Fortsetzen, nacharbeiten oder beenden

Vereinbaren Sie für jeden relevanten Fehler eine Konsequenz. Eine unzulässige Aktion, verlorene Anfrage oder nicht erkennbare Fehlverarbeitung ist ein Grund, den Test zu unterbrechen und die Ursache zu klären. Für kleinere Qualitätsabweichungen legen Sie fest, welche Korrektur vor einem erneuten Vergleich erforderlich ist.

Der Abschluss hält fest, welche Fälle geprüft wurden, was gegenüber der Ausgangsmessung besser oder schlechter war und welche Grenzen bleiben. Wählen Sie danach zwischen einem engeren Folgetest, einer Überarbeitung oder dem Ende des Vorhabens. Eine Erweiterung des Umfangs ist eine neue Entscheidung.

Verwenden Sie dafür das Pilot-Prüfprotokoll. Es enthält Felder für die sechs Testfälle, Zeiten, Korrekturen und die Abschlussentscheidung. Wenn Ihr Prozess über eine Website startet, hilft zusätzlich die Website-Briefing-Checkliste, Eingaben und Übergaben bereits bei der Planung festzuhalten.

Bei einer KI-Automatisierung mit Ragdom klären wir den konkreten Ablauf, beteiligte Systeme und einen prüfbaren ersten Umfang. Bereiten Sie dafür die Auswahlmatrix und Beispiele vor, die Sie im Gespräch zeigen dürfen.

Häufige Fragen

Welchen Prozess sollte ein KMU zuerst automatisieren?

Einen klar abgegrenzten, wiederkehrenden Arbeitsschritt mit verfügbaren Daten und einem prüfbaren Ergebnis. Häufigkeit und Aufwand sollten belegt sein. Verantwortung, Fehlerbehandlung und Rückkehr zum bisherigen Ablauf müssen vor dem Pilotprojekt geklärt sein.

Braucht jede Automatisierung KI?

Nein. Pflichtfeldprüfung, feste Zuordnungen und unveränderte Datenübertragung lassen sich häufig mit vorhandenen Funktionen oder festen Regeln umsetzen. KI-Unterstützung für Freitext sollte gegen eine einfachere Variante mit denselben Fällen verglichen werden.

Wie lange muss ein KI-Pilot dauern?

Das hängt von Fallzahl, Varianten und Fehlerfolgen ab. Legen Sie vorab fest, welche Fälle und Messgrößen benötigt werden. Ein kurzer Pilot mit wenigen einfachen Vorgängen belegt keine allgemeine Zuverlässigkeit.

Wie berechnet man die Zeitersparnis?

Vergleichen Sie den bisherigen Arbeitsaufwand mit dem gesamten neuen Arbeitsaufwand einschließlich Prüfung, Nacharbeit und laufender Betreuung. Einrichtung und finanzielle Kosten werden zusätzlich bewertet. Das Zahlenbeispiel im Artikel ist fiktiv.

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